In der Schifffahrt gibt es eine einfache Grundregel: Ein Anker wird nicht geworfen, wenn der Sturm schon da ist, sondern solange die See noch ruhig ist. Er sorgt dafür, dass das Schiff nicht auf Felsen getrieben wird, wenn die Strömung plötzlich umschlägt.
In deinen persönlichen Finanzen ist der Notgroschen dein schwerer Grundanker. Er schützt dich davor, bei unverhofftem Gegenwind deine langfristigen Investments verkaufen zu müssen.
Warum braucht jedes Depot einen Anker?
Ohne flüssige Rücklagen gerät deine gesamte Finanzstrategie bei der ersten Überraschung ins Schwanken. Fällt das Auto aus, wird eine Reparatur fällig oder kommt eine Steuernachforderung, musst du ohne Notgroschen an dein Erspartes.
Das grösste Risiko dabei: Timing. Musst du Aktien oder ETFs im Bärenmarkt (die Kurse gehen abwärts) verkaufen, realisierst du Verluste und zerstörst deinen Zinseszins-Effekt. Der Notgroschen hält dir den Rücken frei, damit dein Depot unangetastet weiterarbeiten kann.
Die optimale Ankerkette: Wie viel gehört auf die hohe Kante?
Ein zu kleiner Anker hält das Schiff nicht – ein zu schwerer bremst es aus. Die richtige Notgroschen-Grösse hängt von deinen fixen Ausgaben ab:
3 bis 6 Monatsausgaben: der klassische Richtwert für Angestellte mit stabilem Einkommen
6 bis 12 Monatsausgaben: empfehlenswert für Selbstständige, Freiberufler oder Personen mit unregelmässigem Einkommen
Basis der Berechnung: Rechne nicht mit deinem Brutto- oder Nettoeinkommen, sondern exakt mit deinen monatlichen Ausgaben (Miete, Fixkosten, Lebensmittel).
Der richtige Liegeplatz für deine Rücklage
Beim Notgroschen zählen nur zwei Kriterien: Sicherheit und sofortige Verfügbarkeit. Wie du deine Reserve aufteilst, hängt von deiner persönlichen Strategie ab. Eine Kombination aus zwei Bausteinen hat sich bewährt:
Die physische Reserve (Bargeld): Ein Teil des Notgroschens gehört griffbereit in die eigenen vier Wände. Physisches Bargeld schützt dich bei Stromausfällen, Bankstörungen oder gesperrten Karten und gibt dir maximale Unabhängigkeit.
Die digitale Reserve (z. B. Tagesgeldkonto): Der grössere Teil liegt idealerweise auf einem getrennten Konto. Es ist innerhalb von 24 Stunden verfügbar, geschützt vor Diebstahl oder Verlust und wirft Zinsen ab, um die Inflation zumindest teilweise abzufedern.
Keine Experimente: Aktien, Kryptowährungen oder illiquide Anlagen haben beim Notgroschen nichts zu suchen. Dieser Teil deines Vermögens ist nicht zum Spekulieren da, sondern für deinen Seelenfrieden.
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